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Startseite > Artikel > Nostradamus-Prophet des Schreckens?

Artikeldatum: 2006-11-01 | Autor: Jens Tonnier | Aufrufe: 11389 | Kategorie: Bunt gemischt

 

Nostradamus-Prophet des Schreckens?

In der Stadt Gottes wird es einen großen Sturm geben,
Zwei Brüder werden auseinander gerissen vom Chaos,
Während die Festung besteht,
Wird der große Führer erliegen.


So lautete eine vermeintliche Prophezeiung des Maistre Michel Nostradamus – wie er sich später selbst nannte – die kurz nach den New Yorker Terroranschlägen vom 11. September 2001 im Internet schnell die Runde machte. Es dauerte selbstverständlich nicht lange bis sich herausstellte dass es sich um eine plumpe Fälschung – einen sogenannten Hoax – handelte, auch wenn kurz darauf zahlreiche weitere Varianten des gefälschten Verses auftauchten. Doch es zeigt das ewige Schreckens-Image des weltberühmten französischen Sehers aus dem 16. Jahrhundert. Kaum eine Katastrophe, kaum eine Krisenzeit in der er nicht herangezogen und zitiert wird. Und bei knapp 1000 hinterlassenen Versen seiner „Propheties“ ist es nicht sonderlich schwer für nahezu jedes Ereignis auch einen passenden Vers zu finden. Die von ihm verwendete, nach heutigem Verständnis düster wirkende Sprache, nährt dann natürlich das Interesse und die Neugier der Menschen und schürt deren ängstliche Grundstimmung in solchen Situationen nur weiter. Man mag beinahe glauben es läge in der Natur des Menschen nach der Hoffnung zu suchen, aber das Verderben finden zu wollen. Nicht umsonst wurde „Nostradamus“ zu einem der meistgesuchten Begriffe bei den Suchmaschinen der El-Kaida-Anschläge vom 9/11.

Das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum mit der Person Nostradamus und seinen vermeintlichen Prophezeiungen viel Scharlatanerei und Hindsluderei betrieben wird. Zahlreiche Buchautoren überschwemmen den Markt mit jährlich neu erscheinenden Schreckensbotschaften, immer mit dem Anspruch selbst einzig und allein den Schlüssel zu den Prophezeiungen gefunden zu haben und anwenden zu können. Beschrieben werden diese Schlüssel meist nur in verschwommenen Ansätzen. Schließlich will man ja seine Einnahmequelle sichern und diesen Schlüssel bei Bedarf auch ein wenig zurechtbiegen können. Soviel ist jedenfalls sicher: bislang konnte noch keiner eine detaillierte Vorhersage aus Nostradamus Schriften treffen.

Das trübt jedoch den Glauben an seine Fähigkeiten als Seher nicht im Geringsten. Kaum ein Personenkreis, kaum eine Gesellschaftsschicht die sich nicht mit ihm beschäftigt. Auch zahlreiche prominente Beispiele sind zu finden.
Bereits Goethe fragte im ersten Teil des „Faust“:

Flieh! auf! hinaus ins weite Land! und dies geheimnisvolle Buch, von Nostradamus’ eigner Hand, ist dir es nicht Geleit genug?

Selbst die Nationalsozialisten beschäftigten einen Astrologen und Nostradamus-Forscher, den Schweizer Karl E. Krafft (später nach dem Flug von Rudolf Heß nach Schottland inhaftiert und im Konzentrationslager Buchenwald verstorben). Hitler und letztlich Goebbels wurden auf ihn aufmerksam, nachdem er Hitler eindringlich vor einer Gefahr während dem Zeitraum des fehlgeschlagenen Attentats im Münchner Hofbräuhaus auf Grundlage des Horoskops des Führers gewarnt hatte. Während Hitler sich gegenüber Astrologie und Prophezeiungen eher aufgeschlossen zeigte, missfiel dies Goebbels – schließlich widersprachen solche Grenzwissenschaften der offiziellen Nazi-Doktrin. Jedoch wusste er dies früh zu eigenen Propagandazwecken missbrauchen zu können. Krafft wurde fest in die eigene Propagandamaschinerie integriert und seine Nostradamus-Forschung gefördert. Goebbels beschäftigte sich nachweislich intensiv mit Nostradamus und ließ alsbald entsprechende Verse – gegen den Willen Kraffts – manipulieren. Der Wehrmacht wurden – selbstverständlich unter „Geheimhaltungsstufe“ – leicht modifizierte Übersetzungen des Quatrains V/94 in folgendem Wortlaut zugespielt:

In das große Deutschland überführen wird er,
Brabant und Flandern, Gent, Brügge und Bolongne:
Der falsche Waffenstillstand, der große Fürst aus Armenien,
Er wird Wien und Köln angreifen.


Der Originaltext wurde in Form von Flugblättern über Frankreich abgeworfen, in der stillen Hoffnung, „Armenien“ würde nicht etwa der Sowjetunion zugeordnet, sondern „Arminsland“ – Deutschland.

Doch wer war dieser Nostradamus der uns bis heute fasziniert und in Atem hält? Wie schafft er es, uns mit seinen Versen in seinen Bann zu ziehen? Und wieso verbindet man mit ihm stets dunkle Prophezeiungen, Kriege und Katastrophen?
Rechtzeitig zum mittäglichen Glockenschlag der Kirchenuhr soll es gewesen sein, als der kleine Michel de Nostredame am 14. Dezember 1503 (selbstverständlich nach Julianischem Kalender) das Licht der Welt erblickte. Aufgewachsen ist er bei seinem Urgroßvater, der ihm wohl die notwendigen Grundlagen in Astrologie und Kabbalah vermittelte sowie die jüdischen Wurzeln seiner Familie näherbrachte. Auch die medizinische Tradition seiner Familie trieb ihn wohl ins spätere Medizinstudium und seine Tätigkeiten als Apotheker und erfolgreicher Pestarzt. Die Schrecken und das Leid der Pest waren es vermutlich auch, die sein Weltbild prägten und mit Sicherheit auch einen gewissen Einfluss auf seine Grundstimmung ausübten. Kontakte zum berühmten Humanisten Julius Scaliger und der königlichen Familie – insbesondere die Frau des Königs, Katharina de Medici – verschafftem ihm Zugang zu besonderem Wissen und besonderen Privilegien. Auch finanziell hatte er ausgesorgt. Einerseits durch das durchaus umfangreiche Vermögen seiner Familie, andererseits durch die Heirat mit einer gutsituierten Saloner Witwe. Dieser Reichtum war es auch, der es ihm ermöglichte sich ganz seinen Studien der Astrologie zu widmen. Schon bald wurde er berühmt für seine jährlich erscheinenden Almanache für die Landwirtschaft. Doch er begnügte sich nicht damit und verfasste letztlich das Werk für das er bis heute berühmt werden sollte: „Les Propheties de M. Michel Nostradamus“. In einem Brief an seinen Sohn César beschreibt er die Vorhersagen „von heute bis ins Jahr 3797“, was jedoch unterschiedlich gedeutet wird. An Wassersucht erkrankt, verstarb er in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1566 an einem Gichtanfall, jedoch nicht um seinen eigenen Tod am Abend zuvor seinem Sekretär Chavigny anzukündigen und nur wenige Tage zuvor sein Testament abzufassen.

Etliche Jahre später erwähnte sein Sohn César den Vers I/35 – den sogenannten „Turniervers“ – im Zusammenhang mit dem Tod des Königs Heinrichs II. von Frankreich als Beweis für die prophetischen Fähigkeiten seines Vaters, der sich am 30. Juni 1559 bei einem Turnier eine Gesichtsverletzung zuzog, und am 10. Juli 1559 in Folge einer Hirnhautentzündung verstarb.

Der junge Löwe wird den Alten besiegen,
Auf dem Schlachtfeld in einem einzigen Duell:
Im goldenen Käfig wird er ihm die Augen ausstechen.
Zwei Flotten Armeen einig, dann wird er einen grausamen Tod sterben.


Es ist jedoch mittlerweile umstritten, ob damit tatsächlich Heinrich II. gemeint war, gleichwohl der Vers seit eh und je von zahlreichen Forschern als Beweis angesehen wird.
Der „goldene Käfig“ wird häufig als der „goldene Helm“ des Königs gedeutet, was jedoch aus keinen Quellen belegt werden kann. Denkbar wäre jedoch die Bedeutung des „goldenen Käfigs“ im Sinne einer Redensart. Von Heinrich II. ist aber nichts darüber bekannt, dass er sich in seiner Rolle als König von Frankreich „gefangen“ gefühlt hat. Im Gegenteil – Heinrich II. war nicht gerade ein Kind von Traurigkeit, ging für seine Zeit ungewöhnlich offen mit seinen Mätressen und 3 unehelichen Kindern um und nahm begeistert an Turnierkämpfen teil. Der Lanzensplitter seines Turniergegners, dem französischen Hauptmann schottischer Abstammung Graf Montgomery, zerstach ihm auch nicht etwa die Augen, sondern verletzt ihn lediglich über dem rechten Auge. Nun ist auch ein Turnierkampf kein „Duell auf dem Schlachtfeld“, sondern vielmehr ein seinerzeit unter Adligen beliebter sportlicher Wettkampf. Auch die Bedeutung des „Löwen“ ist strittig. Zum Einen waren beide etwa gleich alt, so dass sich das Alter höchstens auf höhere adlige Stellung des Königs oder die unterschiedliche Erfahrung im Turnierkampf beziehen könnte. Zum Anderen ist v. A. die Verwendung eines Löwen in Emblemen etwa nicht zu belegen, vielmehr war das Wappentier der Könige von Valois der Hahn wie er auch heute noch gelegentlich in Frankreich verwendet wird. Der Löwe wird zwar bereits seit der frühchristlichen Tiersymbolik auch als Synonym für „König“ oder allgemeiner großer Macht verwendet, Montgomery war jedoch niemals ein König oder Mitglied einer königlichen Familie. Höchstens seine Rolle als Kommandeur im Hugenottenkrieg (einzig denkbare „tierische“ Assoziation zur Reformationsbewegung wäre jedoch der Schwan, als der sich Luther gerne sah) könnte bei gutem Willen dahingehend gedeutet werden, aufgrund seiner späteren Enthauptung durch Katharina de Medici wäre er wohl jedoch eher als Märtyrer anzusehen, und damit im weitesten Sinne symbolisiert als Lamm.

Doch auch schon zu seinen Lebzeiten suchte man in den „Propheties“ nach bereits eingetroffenen Vorhersagen, insbesondere natürlich nach besagtem Turniertod Heinrichs II.
In einem Briefwechsel zwischen dem Montrotierer Prior, Jean de Vauzelles, und Nostradamus erwähnt dieser stolz den Quatrain III/55 als eingetroffene Vorhersage für den Tod des Königs. Nostradamus bedankt sich überschwänglich in einem Almanach und wiederholt geradezu mit einer gewissen Ironie den entscheidenden Schreibfehler des Bewunderers, aufgrund dessen allein dieser zu seiner Theorie kam. Man könnte diesen Umgang durchaus auch mit heutigen Mechanismen vergleichen, wie Berühmtheiten mit ihren Fans und Verehrern umgehen. Hinzu kommt ein geschicktes Gespür für die Vermarktung seiner Person und seiner Prophezeiungen.

Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele für als „sicher“ angenommene Vorhersagen des mysteriösen Sehers aus dem 16. Jahrhundert, wie beispielsweise der ebenfalls bekannte Vers X/72, dem Einzigen Vers wo ein konkretes Datum genannt wird:

Im Jahr neunzehnhundertneunzig und neun, im siebten Monat,
wird ein großer Schreckenskönig vom Himmel herabsteigen,
wird wieder auferstehen der große König von Angolmois,
Mars regiert vorher und nachher durch Glück.


Der Vers gab sein Übriges zur ohnehin schon etwas apokalyptischen Stimmung zur Jahrtausendwende. Zugeordnet wurde das Datum der totalen Sonnenfinsternis in Europa am 11. August 1999, die nach dem zu Nostradamus-Zeiten gültigen Julianischen Kalender auch tatsächlich im Juli, also dem „siebten Monat“ stattgefunden hätte. Doch der viel interpretierte 3. Weltkrieg oder gar der Weltuntergang blieb aus. Die Meisten werden sich sicherlich daran erinnern wie unspektakulär der 1. Januar 2000 verlief. Später freilich wurde der Vers dann wiederum auf teils abenteuerlichste Weise dem 11. September 2001 zugeordnet, womit wir wieder beim Anfang wären. Aus astrologischer Sicht wären solche Parallelen zwar grundsätzlich möglich, aber es zeigt sich auch, was aus einem einzelnen Vers alles verdreht und interpretiert werden kann, solange man keinen geeigneten Schlüssel zu den Werken des Nostradamus hat. Wohl aber wird es zweifelhaften Buchautoren noch lange eine sichere Einnahmequelle mit der Angst der Menschen erhalten.
In einem Brief an seinen Sohn César – datiert auf den 1. März 1555 – schreibt er von „500 Jahren“ nach denen endlich „Klarheit“ herrschen soll. Selbstverständlich nutzte man diese Aussage zur Verkaufsförderung zahlreicher Bücher anlässlich seines 500. Geburtstags im Jahre 2003. Ein paar Jahre später jedoch scheint es jedoch so, dass man wohl doch noch ein wenig Geduld bis möglicherweise 2055 mitbringen sollte…

 

Artikel 2 Mal geändert, letze Änderung: 2007-12-02

 
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